Alpenglühen - oder: Das erste Teamwochenende von verdigado

Kempten, ein Bahnsteig, ein kaputter Triebwagen.

Links beginnt der Junggesellenabschied mit einem Kasten Bier, rechts spielen Kinder. Dazwischen jede Menge Koffer, Wanderer und genervte Reisende. Für ein paar wenige Menschen an diesem Freitagnachmittag allerdings ein ganz besonderer Moment, denn sie sehen ihre Kolleg*innen gerade zum ersten Mal. Nicht auf einem Computerbildschirm, sondern in echt. Was in den Kaffeeküchen der Bürorepublik völlig normal ist, ist für ein Unternehmen, das wie die verdigado Genossenschaft nahezu komplett remote arbeitet, die absolute Ausnahme. Teambuilding war dementsprechend auch die Losung für das Wochenende im Allgäu vom 20. zum 22. Mai, zu dem sich aus allen Teilen des Landes die verdigado-Mitarbeitenden aufgemacht hatten. Dass zuvor im Wetterbericht vor Orkanböen gewarnt worden war, konnte aber selbst die Berlinerinnen unter uns nicht schrecken. Auch die mit der längsten Zuganreise waren am Abend schließlich wohlbehalten vor Ort: Im Naturfreundehaus nahe Oberstdorf gab es nicht nur jede Menge Aussicht auf die Berge und Bio-Verpflegung, sondern auch reichlich Zeit und Raum zum Kennenlernen. Zum einen ganz ungezwungen bei dem ein oder anderen Getränk am Freitag- und Samstagabend, vor allem aber beim Coaching.

„Toll fand ich die spielerischen Herangehensweisen beim Team-Building, weil wir uns in vielen Situationen auch ohne Worte kennenlernen konnten und vor allem auch mal jenseits der reinen Arbeitsthemen quatschen konnten. Da habe ich mitbekommen, welche weiteren Qualitäten so mancher mitbringt.“

Dirk – TYPO3 Entwicklung

Wir lieben unsere remote-Arbeit: Viele von uns sind Erziehende (von Kindern, Hunden, Katzen, Meerschweinchen etc.) oder haben noch weitere Aufgaben und Engagements. Dank 100% Homeoffice-Option (was die meisten nutzen) lassen sich die verschiedenen Lebensbereiche individuell leichter aufeinander abstimmen, als das bei Unternehmen mit hoher Präsenzkultur der Fall ist.

Wie das alles funktioniert? Unsere Team-Tools sind dabei eine große Hilfe. Sie ermöglichen uns z.B. die einfache und sichere Kollaboration und Verwaltung von Dokumenten. Über RocketChat und Jitsi-Konferenzen organisieren wir die tägliche Arbeit und tauschen uns aus. Doch auch wenn die Qualität der Arbeit dadurch sichergestellt ist, der zwischenmenschliche Kontakt braucht manchmal einen kleinen Push.

Beim Teamwochenende sorgten dafür die Coaches Heidi Harder und Heiko Thurner. Unter Anleitung der beiden ging es um zentrale Fragen des Miteinanders, darüber was uns als Genossenschaft ausmacht, und welche Pläne und Ziele wir individuell und als Team haben. Nach spannenden Gesprächen waren wir uns beim Fazit schnell einig: Wir als verdigado sind ziemlich einzigartig. Wo arbeiten schon IT-Studis mit ehemaligen TAZ-Fotografen, Literaturwissenschaftler*innen mit Programmiererinnen und Bierzapferinnen mit Schallplattensammlerinnen so harmonisch zusammen?!

Der Samstagnachmittag war dann ganz auf Action und Teamwork angelegt. Gemeinsam ein Bilderrätsel lösen? Für die verdigado ein Klacks: volle Punktzahl in Sachen Kommunikation. (Ok, ein bisschen durcheinandergequatscht wurde auch). Auch spannend war der Aufbau einer Kettenreaktion über mehrere Stationen und beachtlicher Länge: Brückenbau, Spielzeugautolooping oder Stick Bomb – einzeln klappte alles bestens. Am Ende hakte es dann zwar an der ein oder anderen Stelle, aber dafür kam der Spaß nicht zu kurz.

Was wir mitnehmen von diesem Wochenende? Wir sind alle unterschiedlich – und ja: wirklich auch unterschiedlich groß, egal was der Bildschirmausschnitt der Webcam suggerieren mag –, aber wir ziehen am gleichen Strang: gemeinsam – für eine grüne, digitale Zukunft.

Frauen in der IT? Leute, es wird Zeit!

18 Prozent. So viele Frauen arbeiten derzeit in Deutschland in der IT-Branche. Nicht nur angesichts des herrschenden Fachkräftemangels sind das viel zu wenige. Bei verdigado legen wir Wert auf Diversität und natürlich Gleichberechtigung. Doch auch bei uns arbeiten noch nicht so viele Frauen in der IT, wie wir uns wünschen würden. Anlässlich des Internationalen Weltfrauentags am 8. März haben wir mit drei unserer ITlerinnen gesprochen.

Elizabeth Dunphy, Webentwicklerin, aktuell im Masterstudiengang mit Schwerpunkt auf Software Engineering

»Eigentlich bin ich nur durch Zufall zur IT gekommen. Ich war zwar  auf einem Gymnasium mit technischem Zweig, hatte aber wenig Interesse an  Informatik. Als ich mich dann beim Abi für eine Naturwissenschaft  entscheiden musste, schien mir Informatik als das kleinere Übel. Und  dann hab ich plötzlich gemerkt: Mir macht das Spaß und ich kann das!  Also habe ich mich nach dem Abschluss an der Uni Regensburg für  Medieninformatik eingeschrieben – ein Studiengang mit relativ hohem  Frauenanteil, weil das als „softere Variante“ der Informatik gilt.  Rückblickend wünschte ich, ich hätte mich getraut, mich gleich für  Informatik zu entscheiden. Auf dem Arbeitsmarkt habe ich gute und  schlechte Erfahrungen gemacht: Ich erlebe immer wieder, dass es  Kolleg*innen und Arbeitgeber gibt, die sich freuen, wenn mehr Frauen in  der Branche sind, aber es gibt eben auch die anderen, die einen einfach  nicht wertschätzen. Dabei ist gerade das wichtig, um sich weiter zu  entwickeln und motiviert zu bleiben.«

Katarina Ratajczyk, Support

»Ich bin über Umwege zur IT gekommen. Eigentlich hab ich mal Englisch und Geschichte studiert mit Informationswissenschaften im Nebenfach. Mich hat zwar schon in der Schule diese Richtung interessiert, aber die AGs, die es da gab, waren einfach richtig schlecht: Ein paar Nerds haben irgendwas gemacht und der Rest saß daneben ohne zu kapieren, worum‘s geht. Nicht sehr motivierend. Heute wäre das alles einfacher: Das Internet bietet so viele Ressourcen, um sich Fähigkeiten und Wissen anzueignen. Über einen Studijob bin ich dann aber doch im technischen Bereich gelandet und hab gemerkt, dass das mein Ding ist. Ich habe das Grüne CMS schon sehr früh mit betreut und sozusagen on the job gelernt. Leider erlebe ich es auch nach vielen Jahren im Beruf immer noch, dass man unterschätzt wird, nur weil man eine Frau ist. Einmal hat ein Kunde angerufen und gefragt, mit wem er sein Website-Problem besprechen kann. Als ich meinte: „Mit mir.“, war seine Reaktion: „Das habe ich befürchtet.“ Es ist also noch ein ziemlich langer Weg, den wir vor uns haben, bis Frauen in der IT die Wertschätzung bekommen, die sie verdienen.«

Hanna Hüwe, Wirtschaftsinformatikerin und Programmiererin

»Ich habe mich schon in der Schule für Informatik interessiert und mich daher auch für den Leistungskurs in diesem Fach entschieden. Danach kam dann ein duales Studium. Im Praxisteil war ich die einzige Frau in meiner Firma im Lehrjahr, an der Hochschule war das Verhältnis so etwa zwei Drittel Männer zu einem Drittel Frauen. Ich habe vor verdigado in einem sehr großen Unternehmen mit bis zu 6000 Mitarbeitenden gearbeitet. Der Altersdurchschnitt war dort recht hoch. Dementsprechend waren auch Generationenkonflikte ein Thema. Der durchschnittliche alte, weiße Mann kann sich halt leider immer noch nicht vorstellen, dass eine Frau nicht im Marketing oder Projektmanagement, sondern tatsächlich in der IT arbeitete. Man wird oft unterschätzt. Mitarbeitende, die eher in meinem Alter waren, hatten zum Glück meistens aber schon eine fortschrittlichere Haltung. Ich würde mich heute wahrscheinlich gleich für einen reinen Informatikstudiengang mit Schwerpunkt auf Robotic entscheiden.«


Und was kann man tun, damit sich das ändert?

Da waren die drei sich ziemlich einig: Keinen Unterschied zwischen Mädchen und Jungen machen, wenn es um technisches Spielzeug von Lego bis Roboter geht und früh die Entwicklung fördern. Quotenregelungen fanden sie als dauerhafte Lösung nicht erstrebenswert, aber als eine mögliche Brücke, um den Wandel in der Arbeitswelt zu beschleunigen.

Es fehlt in der IT nach wie vor an weiblichen Role Models. Dabei gibt sie: Kompetente Frauen wie Liz, Katarina und Hanna.

Einen schönen Weltfrauentag 2022 !